Microsoft Essentials dient nur der Grundsicherung

Microsoft Security Essentials kurz „MSE“ ist die kostenlose Antivirenlösung, die im Betriebssystem Windows integriert ist. Zum ersten Mal erschien sie im September 2009. Microsoft änderte damit grundlegend seine Strategie, die zuvor daraus bestand, ausschließlich eine kostenpflichtige Lösung anzubieten.

Microsoft Essentials löste damit die zuvor kostenpflichtig angebotene Antivirensoftware OneCare komplett ab. In seiner neuesten Version bietet das Antivirenprogramm ähnliche Funktionen wie die zumeist kostenpflichtige Konkurrenz. Ein im Hintergrund agierenden Echtzeitscanner, sowie ein manuell steuerbarer Dateiscanner gehören selbstverständlich zum Funktionsumfang.

AV-Test ein unabhängiges Vergleichs-Institut für Sicherheitssoftware testet regelmäßig Antivirus und Internet Security Software. Bei diesen Vergleichstests fiel die Security Lösung von Microsoft bereits zum wiederholten Mal durch. So erreichte das Produkt teilweise nicht die geforderten Mindeststandards im Bereich Schutz und wurde so nicht von AV-Test zertifiziert.

Dieses Ergebnis verwundert, da Microsoft genug Kapazitäten haben sollte, ein ordentliches Antivirusprodukt anbieten zu können. Verwunderlich ist ebenso die Strategie, mit der Microsoft mit diesen Ergebnissen umgeht. Bis zuletzt argumentierte die Firma aus Redmont damit, dass die Tests vollkommen realitätsfern seien. Nach eigenen Untersuchungen sind nur 0,0033 Prozent aller Essentials Nutzer durch im Test genannte Malware geschädigt worden. Im Speziellen ging es hierbei im Software-Test um die sogenannte „Zero-Day-Malware“. Insgesamt wiederum hätten 94 Prozent der im Test nicht erkannten Schadware-Beispiele keine Auswirkungen auf die User gehabt. AV-Test hingegen argumentierte damit, dass es sich nicht um die Viren-Beispiele im Speziellen handelte, sondern viel mehr um die Art Virus im Allgemeinen. Alle zwei Sekunden gäbe es drei neue Malware Produkte, daher sei es sehr wohl relevant, wenn eine Schadware einer bestimmten Art nicht erkannt wird, da die Gefahr sehr groß ist, dass es bald mehr dieser Art aus einer bestimmten Malware-Familie geben kann.

Jüngst begann Microsoft jedoch anders zu argumentieren. So bezeichnet Microsoft sein Produkt Security Essentials als eine Art Grundschutz, der immer den Boden des Antivirus Software Rankings bilden wird sollte. Man bezeichnet das Produkt als eine Art erste Schutzschicht und empfiehlt Nutzern, weitere Antivirenprogramme von Drittherstellern zu nutzen. Gleichzeitig betont Microsoft aber, dass das Produkt gut genug wäre, um alleine zu bestehen. Man habe bewusst die Strategie in Richtung Grundsicherung geändert, da es immer sinnvoller sei mehrere Schutzschichten verschiedener Hersteller zu haben, als nur eine einzige.

Ganz klar wird die neue Strategie und der Sinneswandel von Microsoft jedoch nicht.

Möglicherweise hat man nach mehr als vierjähriger Programmierzeit festgestellt, dass es aufwendiger als gedacht ist, ein gutes Antiviren Programm herzustellen. Kosten und Nutzen könnten somit nicht mehr im Verhältnis gestanden haben. Zudem hagelte es gerade zur Veröffentlichung massiv Kritik am neuen Windows 8 Betriebssystem. Somit macht es für Microsoft sicherlich Sinn, sich wieder auf den Kernmarkt zu fokussieren und Ressourcen freizumachen. Ebenso wahrscheinlich ist aber die Angst vor weiteren Monopolklagen. Schon zu Beginn verbreitete Microsoft sein Security Essentials online über ein Windows Update. Seit Windows 8 ist die Sicherheitssoftware im Windows Defender integriert. Den Herstellern von Sicherheitssoftware stieß diese „Gratis“ Dreingabe das ein oder andere Mal sauer auf. Man warf dem Redmonter Unternehmen unfairen Wettbewerb vor. Da Microsoft mit Monopol-Klagen Erfahrung hat, könnte man mit der neuen Strategie durchaus eine elegante Lösung gefunden haben, die Konkurrenz zu besänftigen. Gleichzeitig behält man aber mit seinem eigenen Security Produkt immer noch Zugriff zum Sicherheitsmarkt. Zudem entzieht man sich mit dem Argument Grundsicherung jeglichen Qualitätsansprüchen. Alles in allem eine kluge neue Strategie von Microsoft, die letztendlich aber keine Vorteile für den Endnutzer bringt. Er weiß nun jedoch zumindest aus erster Hand, dass er sich im Jahr 2013 eine zusätzliche Antivirus oder Internet Security Software installieren sollte und nicht ausschließlich aufs Microsoft Produkt vertrauen kann.

Autor: Timm Hendrich

2 Comments

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  1. Schön das es solche lesenswerten Artikel noch gibt….

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