Test: Apple iPad mini für Menschen mit Sehbehinderung

iPad Mini ScreenshotSeit gestern bin ich stolzer Besitzer eines Apple iPad Mini. Als Mensch mit hochgradiger Sehbehinderung habe ich mich natürlich gleich daran gemacht, das Gerät auf seine Tauglichkeit für Menschen mit Sehbehinderung zu testen. Ich habe das Gerät nicht nur für sich, sondern auch mit einem Android-Tablet, dass ich bis vor kurzem genutzt habe, verglichen. Hier also mein Testurteil.

Grad meine Sehbehinderung

Zunächst möchte ich ein paar Takte zu meiner Sehbehinderung sagen, damit andere Menschen mit Sehbehinderung mein Urteil besser beurteilen können.

IIch habe die Erbkrankheit Retinopathia pigmentosa. Auswirkungen der Erkrankung sind neben einer allgeeinen Sehschwäche, der Tunnelblick und eine besondere Empfindlichkeit gegenüber Licht. Dies sorgt dafür, dass ich beispielweise besser weiße Schrift auf schwarzem Hintergrund lesen kann. Meine Sehstärke schätze ich auf 10% ein.

Design, Look & Feel des Apple iPad Mini

Gegen Design, Look und Gewicht des iPad Mini ist nichts zu sagen. Er ist im Gegensatz zu seinem großen Bruder angenehm leicht, gut verarbeitet, ziemlich flach und sieht schick aus. Mein Technaxx TechTAB sah dagegen eher unschön aus. Ecken und Kanten machten es nicht grad zu einem Anwärter auf einen Designwettbewerb.

In dieser Rubrik erhält das iPad Mini 5 von 5 Punkten von mir.

Der Start

Beim Einrichten des iPad Mini musste mir mein IOS-erfahrener Bruder helfen. Bis dato bin ich eher der Androide in der Familie gewesen und er der Apple-Jünger. Etwas Zeit hat die Einrichtung schon gekostet. Apple-ID erstellen, iTunes-Konto, spezielle Einstellungen für Menschen mit Sehbehinderung.

Diese Einstellungen unbedingt vornehmen

Wer wie ich weiße Schrift auf dunklem Hintergrund besser lesen kann, der sollte folgende Einstellungen unbedingt vornehmen lassen.

Inverse Farben

Mit dieser Einstellung kann mit dreimal Drücken auf den iPad Button schnell die Farben invertieren. Leider konnte ich keien Screenshot der invertierten Webseite erstellen. Daher versuche ich es an dieser Webseite einmal zu erklären.

iPad Mini Screenshot

Dies ist die normale Farbeinstellung der Seite cobocards.com. Die Seite ist in weiß mit schwarzer Schrift gehalten. Links befindet sich eine Comicfigur. Drückt man nun die iPad-Taste dreimal, so invertiert das Pad die Farben. Weiß wird schwarz, schwarz wird sweiß. Genau so soll es auch sein. Einziges Manko: Auch Bilder werden invertiert bzw. negativiert. D.h. Bilder sind z.B. als solche nicht mehr zu erkennen, gerade wenn man z.B. auf Facebook unterwegs ist. Hierfür muss dann ständig hin und her gewechselt werden. Mitunter eine nervige Angelegenheit.

Drei-Finger-Touch

Eine weitere Einstellung, die Menschen mit Sehbehinderung vornehmen lassen sollten, ist der 3-Finger-Touch. Zweimal mit 3 Fingern gleichzeitig auf den Bildschirm getippt und das Bild zoomt ein. Eine ziemlich nützliche Funktion, zumal die Buttons bei Apple sehr sehr klein sind. Auch die Schrift auf dem Home-Screen ist für mich und auch für Menschen mit Kurzsichtigkeit kaum zu lesen. Da lobe ich mir die Big Fat Buttons von Google, die ich auf dem TechTAB hatte. Eins muss ich beim iPad loeben. Dieses Zoomen in Apps selbst hatte ich auf dem TechTAB nicht. Brauchte ich aber auch nicht so dringend.

In der Rubrik Einstellungsmöglichkeiten bekommt das iPad Mini 2,5 von 5 Sternen.

Usability des iPad Mini

Vom Android-Tablet war ich eine Usability gewohnt, die ich auf dem iPad Mini leider nicht wiederfinde. Die Bedienung des TechTAB ist so bedienerfreundlich gewesen, dass selbst mein Vater, der weiß Gott mit seinen 62 Jahren nicht technik-affin ist, umgehen konnte. Beim iPad Mini verzweifelt selbst ein geübter Mensch wie ich. Ich kann daher die Apple-Jünger nicht verstehen, die Apple-Produkte in den Himmel loben. Aber das hat wohl weniger mit der Usability zu tun.

Ein Beispiel.

Ich möchte die YouTube-App aus dem App-Store herunterladen. Ich öffne den App Store. Ich weiß nicht, wo ich die Suche starte. Ich muss also mit 3 Fingern zoomen. Unscheinbar und recht schmal entdecke ich dann den Suchschlitz. Die App wird gefunden. Obwohl der Bildschirm ausreichend groß ist, wird alles klein dargestellt. Insbesondere Schriften. Um sich das einmal vorzustellen, kann man in Word einmal die Schriftgröße 3-5 einstellen. Es ist schlimm.

Wieder muss ich einzoomen. Beim Download einer App aus dem App Store wird jedes Mal nach dem Passwort gefragt. Das kennen Android-Nutzer nicht. Aber ok.

Nach der Installation, die im Übrigen schneller geht als bei meinem Smartphone HTC Hero, öffne ich YouTube und suche nach einem Video. Ich sehe es an und möchte ein anderes aus der Suchliste anschauen. Aber wie? Ich vermisse hier echt den Back- und Menü-Button aus Android, die man immer in Anspruch nehmen kann, wenn man nicht weiterweiß. Bei IOS fühle ich mich dagegen hilflos, drücke verärgert auf den Home-Button, beende die YouTube-App (Achtung, diese müssen bei IOS immer separat geschlossen werden, so fressen sie unnötig Akkuleistung!) und starte es neu. Frust macht sich breit.

In der Kategorie nutzerfreundliche Bedienung erhält das iPad Mini 1 von 5 Sternen.

Leistung

In puncto Leistung und Schnelligkeit kann der Prozessor des TechTAB natürlich mit dem des iPad Mini nicht mitteilen. Dafür kostet er aber auch nur die Hälfte bis ein Drittel. Das iPad ist schnell. Fast zu schnell für einen Menschen mit Sehbehinderung. Ich öffne ein Foto, bevor ich die kitzekleinen Icons an der oberen Leiste erkennen kann, vergrößert das Pad das Foto auf die gesammte Bildschirmgröße. Auch z.T. nervig.

Hier erhält das iPad Mini 4 von 5 Sternen.

Fazit

Bei meinem Test handelt sich um einen ersten Schnelltest. Auch wenn es heißt, dass ich etwas Eingewöhnungszeit benötige, kann ich sagen, dass mir das iPad Mini in den ersten Tagen keinen Spaß bereitet hat. Ich weiß nicht, ob ich mit dem ständigen Switchen der Farben, dem ständigen Einzoomen aufgrund der zu kleinen Schrift und Icons auf Dauer Spaß an dem Gerät haben werde.

Von mir erhält es daher 3 von 5 Sternen und ist damit mäßig für Menschen mit Sehbehinderung geeignet.

6 Comments

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  1. Hey! Schön, auch mal eine Meinung aus deinem Blickwinkel zu über solch ein Gerät zu lesen. Ich war mir vor einer Weile nicht sicher, ob das IPad-Mini für mich (bin stabsichtig) wirklich das richtige ist, da ich auf mobilen Endgeräten auch gern mal ohne Brille arbeite. Darum habe ich mich dann fürs IPad4 entschieden. Der Größenunterschied ist dann ja doch schon erheblich. Vielleicht eine Alternative für dich?

  2. Vielen Danke erstmal das du dir die Mühe gemacht hast so einen großartigen Beitrag verfasst hast. Mit deinem Beitrag hast du mir viele Funktionen erklärt, die ich bis heute noch garnicht kannte.
    Leider bin ich auf einem Auge Blind und habe auf dem anderen Auge 50% Sehkraft. Da ich auch im Besitz eines iPads bin, bin ich jetzt wirklich froh diese Funktionen zu kennen.

  3. Das iPad mini müsste doch auch mit Siri ausgestattet sein. Konnte dir Siri bei der Bedienung mit dem iPad nicht behilflich sein?

    1. Ich fand Siri nicht so toll, weil es
      a) nicht alles verstand bzw. richtig umsetzte
      b) für die wirklich wichtigen Dinge nicht so funktionierte (z.B. E-Mail Versand)

      Das Wetter und die Uhrzeit abfragen war ok (auch z.T. falsch), aber das muss ich nicht täglich machen.

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