Hamspirit – Elektronik Projekte zur Völkerverständigung

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Amateurfunk ist als Begriff ziemlich irreführend. Er lässt vermuten, dass Laien und Amateure mit Funkgeräten spielen. Dass dieses Hobby aber weit mehr ist, als ein Funkgerät zu bedienen und es unter Amateurfunkern auch einen Ehrenkodex namens Hamspirit ist, ist sicher für Viele eine Überraschung.

Professionelle Amateure

Die Unterscheidung zwischen Profi uns Amateur ist keine Frage des Fachwissens und des Könnens. Der Unterschied ist, lt. Wikipedia, dass der Amateur eine Tätigkeit aus Liebhaberei ausübt. Der Profi lebt davon. Liebhaberei alleine reicht für das Hobby Amateurfunk allerdings nicht aus. Man braucht fundierte technische Kenntnisse um eine Funkanlage in Betrieb zu nehmen. Während es für den CB-Funk ein Angebot an einsatzbereiten Funkgeräten mit geringer Sendeleistung gibt und jedermann damit funken darf, muss der Amateurfunker eine Prüfung ablegen. Spezielle Frequenzen und maximale Sendeleistung müssen eingehalten werden, ansonsten birgt der Amateurfunk für Außenstehende eine ganze Reihe von Überraschungen.

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Das Funkgerät ermöglicht die Kommunikation mit Gleichgesinnten in der ganzen Welt

Gesetzlich unpolitisch

Hört man ein Gespräch zwischen zwei Funkern, oder liest in einem speziellen Forum für Funker, wie etwa diesem hier, dann versteht man phasenweise nicht einmal Bahnhof. Neben einem Abkürzungsverzeichnis, das jeder Neueinsteiger erst einmal lernen muss, gibt es auch einen Ehrenkodex. Dieser Ehrenkodex der Funkamateure beinhaltet alle wichtigen Verhaltensregeln, an die sich die Funker zu halten hat. Der Hamspirit, wie der Ehrenkodes genannt wird, ist dabei fast so etwas, wie ein Gesetz. Politische, oder religiöse Themen sind tabu. Im Vordergrund des Hobbys stehen die technische Weiterbildung, die Völkerverständigung über alle Grenzen hinweg und die gegenseitige Hilfestellung. Funkamateure sind zwar innerhalb ihrer Heimatländer in Vereinen organisiert, verstehen sich aber als weltweite Gemeinschaft.

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Funk ist eine sehr alte Technologie. Nichtsdestotrotz ist sie aktuell wie eh und je

Hamspirit

Der Ehrenkodex der Funkamateure steht für die Mission, auf der sie sich als Gemeinschaft sehen. Im Vordergrund steht der Bau und die Verbesserung der Funkgeräte. Der Betrieb von selbstgebauten, oder modifizierten Funkgeräten ist nicht nur zugelassen, sondern auch erwünscht. Schließlich ist die Verbesserung und Perfektion der Geräte ein Teil des Hobbys. Innerhalb der Gemeinschaft regelt der Hamspirit den Umgang miteinander. Einsteiger werden mit Geduld unterstützt und jeder Funker achtet darauf, mit seiner Funkanlage niemanden zu stören. Gegenseitige Rücksichtnahme und Unterstützung ist ein wichtiger Teil des Hamspirits. Genauso werden die Funker im Hamspirit auch daran erinnert, dass der Amateurfunk ein Hobby ist und man deswegen seine Familie nicht vernachlässigen darf.

Hobby

Die gesetzlichen Rahmenbedingungen sind klar. Neben den Regelungen zu den Frequenzbereichen ist natürlich auch die Sendeleistung geregelt. Per Gesetz darf der Amateurfunk niemals kommerziell eingesetz werden. Das Übermitteln von Nachrichten im Auftrag Dritter ist verboten. Dabei gibt es eine einzige Ausnahme. In Katastrophenfällen ist der Amateurfunk oft die einzige Möglichkeit der Kommunikation. Im Umfeld vieler Naturkatastrophen und Krisensituationen haben sich Funkamateure mit ihren Anlagen zur Verfügung gestellt und den Betroffenen geholfen. Solche Aufgaben zu übernehmen ist ganz im Sinn des Hamspirit. Ham steht dabei übrigens für den Funker. Eine der vielen Abkürzungen, die die Funkamateure nicht nur auf Funk verwenden.

Alt, aber aktuell

Wer mit jemanden in Australien sprechen möchte, der hat heute eine ganze Reihe von Möglichkeiten. Das Internet bietet mehrere Wege und nicht zuletzt kann man ganz simpel auch zum Telefon greifen. Sich eine mehrere Meter breite Antenne aufs Dach zu stellen, Stunden in den Bau einer Funkanlage zu investieren, eine Prüfung abzulegen und Sonnenflecken und Tageszeiten zu berücksichtigen um dann mitten in der Nacht ein kurzes Gespräch mit einem australischen Funkamateur zu führen, gehört nicht zu den einfachsten Wegen. Funker investieren aber viel Zeit und Geld in genau solche Vorhaben. Sie sind stolz darauf, ein weltweit eindeutiges Rufzeichen zu besitzen und mit etwas Glück auch mit besonderen Menschen in Kontakt zu treten.

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Die Antenne entscheidet über die Reichweite. Häuser von Amateurfunkern sind leicht zu erkennen

Hintergrundwissen

Greift man zum Smartphone, dann kann man die Benutzeroverfläche bedienen und das Gerät als Anwender benützen. Scheitert der Verbindungsaufbau, dann hat man wenig Möglichkeiten. Der Funkamateur weiß ganz genau, was passiert, wenn er die Sprachtaste auf seinem Mikrofon betätigt. Er kennt die physikalischen Hintergründe des Funks und hat im Regelfall das Funkgerät schon häufig geöffnet und an den Bauteilen geschraubt. Statt sich auf die Infrastruktur hinter dem Telefon zu verlassen und sie zu nutzen, wird er selbst zu einem Teil eines weltweiten Netzwerks. Lange, bevor die Globalisierung allgegenwärtig wurde, waren Amateurfunker weltweit miteinander vernetzt und schlossen Freundschaften über alle Landesgrenzen, politische Anschauungen, Religionen und ethischen Gruppen hinweg. Eine weltweite Bewegung, die dank Hamspirit an einem Strang ziehen und mehr zur Völkerverständigung beitragen, als man auf den ersten Blick vermutet.

Updated: 7. Februar 2019 — 15:29

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